#gesellschaft

Der Boy von Seite 450

Eigentlich hatte ich mit dem Gedanken abgeschlossen, mich noch in irgendeiner Form – in Deutschland – diskursiv zu beteiligen. Ein Jahr nach meiner Auswanderung wird jedoch mein dusseliger Name unter den Beitragenden eines Sammelbandes namens Freiheit ist keine Metapher. Antisemitismus, Migration, Rassismus, Religionskritik aufgeführt. Mutter empfindet nach meinem Studienabbruch doch noch Stolz für mich.

Vojin Saša Vukadinović (Hrsg.): „Freiheit ist keine Metapher“

Dankbarerweise durfte ich eine eher befragende, beobachtende Rolle einnehmen. Zumindest sind die nachträglich eingewobenen politisch-programmatischen Forderungen im Text Herkunft, Homosexualität, Humankapital – wer darf bleiben? Mit Ravi, Emile und Fabrice über die Grenzen des europäischen Humanismus vergleichsweise handzahm ausgefallen.

Dabei war es mein erklärtes Ziel, das Bewusstsein für die Fragestellung allein durch die persönlichen Erfahrungen der Interviewpartner herzustellen. Schade ist, dass es mir nicht gelungen ist, auch nicht-schwule Perspektiven einzufangen. Von Skandinavien aus war es richtig knifflig, Kontakte herzustellen. Umso mehr hoffe ich, dass diese Unzulänglichkeiten der Wirkung aller Geschichten und Schicksale nicht abträglich sind.

Den Interviewten gilt mein besonderer Dank. Es war bewegend und bei aller Ernsthaftigkeit des Sujets auch ein großer Spaß. Weiterhin danke ich dem reizenden Team des Querverlags sowie der „Courtney Love der Geschlechterforschung“: Vojin Saša Vukadinović.

(Bei so viel gutem Karma ist es kein Wunder, dass ich in meinem Brot-und-Butter-Beruf hinterrücks mit Content-Marketing-Driss betraut wurde. Hmpf.)

09.09.2018, 20:12 Uhr